Tell it to the alien! So lautet eine meiner Anforderungen an mich selbst. Wenn ich irgendetwas jemandem erklären kann, der nicht unseren geschichtlichen und sozialen Hintergrund hat (also z.B. einem Alien), dann kann ich es wirklich erklären, dann hab ich es auch wirklich verstanden. Wenn ich dies aber nur jemandem aus meinem Kulturkreis, meiner Glaubensrichtung, meinem Freundeskreis oder meinem Land (und so weiter) erklären kann, dann hab ich jede Menge Voraussetzungen verwendet, die nur innerhalb dieser Gruppe selbstverständlich sind und ungesagt vorausgesetzt werden können und dürfen. Jemand ohne diesen automatischen, unausgesprochenen Konsens würde es nicht (oder falsch) verstehen. Innerhalb eines „Kulturkreises“ erleichtert und dieser Konsens die Kommunikation, wir brauchen nicht so viel zu erklären, wir sind viel schneller und effektiver, aber wir machen dies so automatisch, dass wir uns dessen gar nicht mehr bewusst sind. Beispiel 1 (Satz ohne Zusammenhang): er kam von rechts dieser Satz ist nur dann verständlich, wenn ich individuellen Strassenverkehr und seine Regelung kenne (also z.B. die STVO), und dann versteh ich ihn eigentlich folgendermassen: An einer Kreuzung (Strasseneck, Einmündung etc) näherten sich mehrere Fahrzeuge  oder standen schon dort. Es ging um Vorfahrtsregelung, also um die Frage, wer vor wem los- oder weiterfahren sollte. Hierbei wurde eine bekannte Regel der STVO berücksichigt - RECHTS  vor LINKS. Allerdings ist keine Aussage enthalten, ob der von rechts kommende in dem Besipiel tatsächlich Vorfahrt hatte, oder an dieser Stelle eine andere Regelung galt, das kommt auf die Beschilderung an. gehen wir mal von einem anderen Planeten aus, auf dem es keinen Individualverkehr gibt (geht ja auch!), dann kann die Aussage nicht so verstanden werden, sondern es  bleibt lediglich eine Richtungsangabe und eine Bewegung. Der Sprecher befand sich irgendwo, und irgendjemand kam (von ihm aus) von rechts. Kein Verkehr, keine Vorfahrtsregelung, nichts dergleichen. Beispiel 2 (Satz ohne Zusammenhang): dann fuhr ich mit meiner Maus über den Link,  er wurde blau, klickte einmal, schon ging er auf, und ich war auf der anderen Seite. erster Versuch: Ich war also mit meiner Freundin unterwegs (Maus genannt) und fuhr (mit dem Auto?) über irgendwas, was sich Link nennt (linke Fahrbahn, Abzweigung, Brücke, Fluss  oder so), Und das änderte die Farbe (oder war besoffen?). Das Klicken wird wohl so eine Art verbale Verständigung gewesen sein, ich hätte ja auch schnalzen können. Vielleicht so eine Art von Zustimmung, weil ja keine Antwort notwendig war. Also waren wir uns erst mal einig. Oder eine Art Schalter?  Und da ging das Ding auf, was auch immer es war, und wir fuhren weiter, auf die andere Seite. Also könnte z.B. doch ein Fluss gewesen sein. Würde Sinn machen, oder? Natürlich lacht mich jetzt jeder aus, der mit einem Computer arbeitet, aber mal ganz ehrlich: Sind die Namen und Begriffe irgendwie logisch? Nein, aber sie sind gemeinsam vereinbart, d.h. wir verwenden sie so, und das haben wir “gelernt”. Nur dann können wir den Satz verstehen. Beispiel 3 (Erst Beschreibung, dann Satz ohne Zusammenhang): Hier wird anscheinend eine Strafverfolgung geschildert, bei der meine EX-Freundin die Täterin ist, aber eine Menge ihrer zahlreichen Freunde und auch Verwandte zumindest Mitwisser  sind. Anscheinend wurde die Tat aber durch jemand beobachtet, der sich hinter einer Jalousie, Blende oder so was befand, und von dort aus alles sehen konnte. Dazu musste er die Blende oder Jalousie erst noch etwas schliessen, um besser sehen zu können (vermutlich war es sehr hell draussen). Oder aber er wollte verhindern, selbst gesehen zu werden, hätte ja gefährlich werden können. Dann hat sich irgendwer entfernt, was juristisch scheinbar relevant war, die Täterin oder die Mittäter? Aber das Bild, das sich durch diese Beobachtung ergab, war deutlich, unmissverständlich, klar. Nur die Hintergründe waren nicht klar und blieben verschwommen. Das scheint auch die Absicht gewesen zu sein, nur wer wollte da etwas verschleiern. Na jedenfalls gab es am Motiv keinerlei Zweifel, es war kristallklar. Inwieweit nun der sichtbare Busen meiner Ex eine Rolle spielte, geht aus der Schilderung nicht hervor. Ob es sich da um Ablenkung handelt, kann nur vermutet werden. Anscheinend aber sind hier Verurteilung und Bestrafung hier sehr zeitnah, denn die Täterin wird umgehend erschossen. Erst nachdem ich die Blende etwas geschlossen hatte, erkannte ich das Motiv richtig, meine Ex-Freundin vor der Schar ihrer Verwandten und Freunde. Entfernung nachjustieren, schon ergab sich ein klares  Bild.   Der Hintergrund undeutlich, aber das war Absicht,  das Motiv jedoch war jetzt kristallklar. Der Ausschnitt passte noch nicht ganz, so , jetzt. Jetzt war ich bereit, den Schuss zu wagen. Nun, wozu erzähl ich Euch diese Geschichten? Weil das ganz schön verwirrend sein kann, eine Geschichte zu verstehen, wenn man nicht den gleichen Background hat, und genauso ist es mir ja auch tatsächlich passiert, und davon wollte ich Euch eigentlich erzählen: Hier ein typisches Beispiel aus meinem Nebenjob als freiwilliger Scout-Asssist für ausseridische Besucher Klasse H (Humanoidenähnlich, Sauerstoffatmer), wie es mir neulich tatsächlich passiert ist: Bei einer kleinen Gruppe Forschungsreisender, der ich als Betreuer zugeteilt wurde, war das Verständigungsproblem bereits erfolgreich gelöst (Standard- Translatoren) und die Gruppe machte gerade erste unbegleitete Ausflüge in vorausgesuchte Zonen dieses Planenten. Meine Haupaufgabe war nun, dabei auftretende Verständnisprobleme aufzuklären, oder bei Praktischen wie verwaltungsrechtlichen Problemen zu assistieren. Viel Arbeit, aber eigentlich eine sehr dankbare Aufgabe, bei der ich sehr viel lerne. Wir hatten also unser „Clearing“, d.h. die angesammelte Menge der Fragen und Probleme (nicht dringender Art) wurden im Tagungsraum besprochen. Nach der Klärung der meisten Punkte (leicht, da fast immer die gleichen Fragen auftauchen) bemerkte ich, dass es offensichtlich noch ein Problem gab, wobei es unseren Gästen scheinbar unangenehm war, dieses zur Sprache zu bringen. Nach einigem Zögern erfuhr ich, dass es um einen Konflikt zwischen unserem Anspruch auf Zivilisation und Kultur und unserem Strafrecht zu gehen schien. Die Gäste wollten unbedingt vermeiden, uns mit ihrer Frage zu beleidigen oder zu verletzen, aber der Widerspruch erforderte doch eine Erklärung: Warum werden in einer angeblich zivilisierten Welt trotzdem Verbrecher nach ihrer Tötung öffentlich zur Schau gestellt – und die Vermutung lautete, dass der Wert der Abschreckung wohl doch wichtiger ist als Ästhetik und Zivilisation. Das hätten sie schon verstanden, soweit ein mitgelieferter Erklärungsversuch. Nachdem sie dies aber sehr häufig festgestellt hatten, lag die Vermutung nah, dass die ihnen vorliegenden Angaben zu Verbrechensraten nicht ganz der Realität entsprach. Ich glaube, an diesem Punkt war ich zum ersten Mal in diesem Job so richtig verwirrt: Klärung brachten die vorgelegten Schnappschüsse:    Kruzifixe, Christliche Kreuze, ach ja, da wär ich nie drauf gekommen. Sache geklärt, den Alien erklärt, warum dieses Symbol . . .. . halt ! Ist ein gewaltsam getöteter, als Verbrecher hingerichteter  tatsächlich ein geeignetes Symbol für Hoffnung und Glaube ? Gäbe es da nicht auch ein positives Symbol, bei dem man sich Vertrauen und Hoffnung auch vorstellen kann? Für meine Gäste jedenfalls war ich nicht in der Lage, dieses Symbol als das zu erklären, was es für die christlich-abendländische Kultur bedeutet. Ihren Einwand, dass man einen so offensichtlichen Fehler innerhalb von so vielen Jahren doch einfach mal hätte korrigieren können, konnte ich nicht entkräften. Und ja, inzwischen habe ich anerkannt, dass es sehr viel bessere Möglichkeiten geben würde, ein Symbol für Liebe, Glaube und Hoffnung zu finden. Wie wäre es mit dem wieder auferstandenen Jesus, es war doch nicht die Kreuzigung, aus der die Hoffnung entstanden ist, oder hab ich da was falsch verstanden? So ist das mit den Fremden, sie bringen alles durcheinander und stellen Dinge in Frage, die uns so selbstverständlich sind. Ihre eigenen Erklärungen (über Ihre Glaubenswelt) waren für mich auch nicht wirklich nachvollziehbar. Vermutlich entstehen so gegenseitige Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit. Aber wir brauchen dafür gar keine Aliens. Der Türke nebenan tut’s auch schon, der Islamgläubige aus dem Dönerstand, und den „unchristlichen“ Wikingern könnte ich es bestimmt auch nicht erklären. Dieses Symbol wird sicher nicht geändert, und wenn es noch so blödsinnig und befremdlich ist, auch nicht, wenn es eine offensichtliche Themaverfehlung ist, nein. Das bleibt sicher so, war schon immer so .. . . ja, wie weltoffen wir doch sind.  Tell it to the alien        maz tell it to the      maz tell it to the
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